Arbeitsmarkthoffnung mit Perspektive: Die Eisenbahnverkehrsunternehmen

Manche Karrieren beginnen mit einer Bewerbung, andere mit einem Ausflug. Beim Tag der Schiene öffnen Betriebe im ganzen Land ihre Werkstore, und regelmäßig gehen Besucherinnen und Besucher mit mehr nach Hause als ein paar Fotos vom Führerstand: mit einem Kontakt, einem Vorstellungsgespräch, manchmal sogar einem Ausbildungsvertrag. Zufall ist das nicht. Die Bahnbranche ist in den letzten Jahren beständig gewachsen, und die Eisenbahnverkehrsunternehmen sind das Rückgrat dieses Beschäftigungswachstums. Während in anderen Branchen über Werksschließungen und Stellenabbau diskutiert wird, suchen sie Personal – quer durch alle Berufsgruppen und in jedem Bundesland.

Erst einmal: Was ist eigentlich ein Eisenbahnverkehrsunternehmen?

Eisenbahnverkehrsunternehmen, oder auch kurz EVUs, sind die Betriebe, die Züge tatsächlich fahren lassen. Sie besitzen oder mieten die Fahrzeuge, beschäftigen Lokführer und Zugbegleiter und planen den Betrieb. Ob ICE, Regionalbahn oder Güterzug: Dahinter steht immer ein EVU. Zu unterscheiden sind die EVUs von den Eisenbahninfrastrukturunternehmen, denen Gleise, Weichen, Signale und Bahnhöfe gehören. Kurz gesagt: Die Infrastruktur stellt die Bühne, die EVUs spielen darauf.

Ein wachsender Beschäftigungsmarkt

Und auf dieser Bühne ist es voll und bunt. Rund 375 Eisenbahnverkehrsunternehmen sind in Deutschland aktiv, kein anderes europäisches Land hat auch nur annähernd so viele. Die Bandbreite reicht von der riesigen Deutschen Bahn AG, die auch einer der größten Arbeitgeber Deutschlands ist, bis zum Familienbetrieb, der mit einer Handvoll Loks Güterzüge auf regionalen Strecken fährt.

Zwischen 2020 und 2024 ist die Beschäftigung bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen um rund 14 Prozent gestiegen, wie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen:

Die EVUs sind der Taktgeber der Branche. Wer mehr Verkehr auf die Schiene bringt, braucht mehr Fahrzeuge, mehr Werkstätten, mehr Instandhaltung, mehr Menschen auf der Strecke und mehr Vorleistungen aus der Industrie. Wächst dieser Kern, wächst über kurz oder lang alles andere mit. Wie groß dieses „alles andere“ ist, hat das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung vermessen: 397.600 Vollzeitstellen hängen direkt am Bahnsektor, mit Zulieferern und Wertschöpfungskette sind es rund 550.000. Die Erhebung beruht auf Zahlen von 2019; für das nächste Jahr werden aktualisierte Werte erwartet, die nochmal höher ausfallen dürften.

Gesucht wird fast alles

Wer bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen nur an den Führerstand denkt, übersieht den größten Teil der Belegschaft. Gebraucht werden Fahrzeugtechnikerinnen und Werkstattpersonal, Disponenten und Betriebsplanerinnen, Kundenbetreuer, Kaufleute und IT-Fachkräfte. Kleiner wird der Bedarf so schnell nicht. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen ist über 50 Jahre alt. Der Generationswechsel steht also nicht bevor, er läuft bereits. Wer aus einem anderen Beruf kommt, wird dabei mit attraktiven Konditionen empfangen. Die Umschulung zum Lokführer etwa dauert meist nur neun bis zwölf Monate. Wer sie direkt bei einem Eisenbahnunternehmen absolviert, bekommt von Anfang an ein Gehalt, und eine Übernahmegarantie gehört vielerorts auch dazu. Willkommen, sind Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus allen Berufen und Altersgruppen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil kommt hinzu: Diese Arbeit lässt sich weder verlagern noch importieren. Sie fällt dort an, wo die Gleise liegen.

Neuer Job durch den Tag der Schiene

Vom 18. bis 20. September 2026 öffnet die Branche im ganzen Land wieder ihre Türen. Auf dem Programm stehen Werkstattführungen, Stellwerksbesuche, Baustellenbesichtigungen und Lok-Simulatoren – dazu zahlreiche Gelegenheiten, in entspannter Atmosphäre ein Job-Casting mitzunehmen und mit möglichen künftigen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Schon jetzt finden Sie viele spannende Events mit Karrierefokus in unserer Veranstaltungsübersicht. In Saarbrücken etwa gibt die Saarbahn am 18. September Einblick in zahlreiche Berufsbilder. Wer lieber mehrere Arbeitgeber auf einmal treffen möchte, der kann zum BahnTechnologie Campus nach Wustermark fahren, wo sich unter anderem die Havelländische Eisenbahn AG vorstellt. Interessierten an Bahnberufen sei zudem SchienenJobs.de empfohlen. Dort finden sich die Stellenanzeigen von unzähligen Unternehmen aus der Bahnbranche, vom Ausbildungsplatz über den Quereinstieg bis zur Führungsposition.