5 x tolle Bahn-Werbekampagnen

Bahnwerbung ist Kult! Hier kommen unsere Favoriten.

Die jüngste DB-Kampagne „Boah-Bahn“ mit Anke Engelke sorgte für Diskussionen: Braucht es überhaupt Bahnwerbung, wenn das System ohnehin am Limit läuft und Verspätungen, Engpässe und volle Züge Alltag sind? In diesem Kontext kann Werbung schnell wie eine Provokation wirken – und doch zeigt „Boah Bahn“, dass gute Kampagnen wirken: Unmittelbar nach dem Start der Kampagne konnte die DB einen deutlichen Anstieg im Kaufinteresse erkennen. Verkehr ist eben nicht nur das bloße Von-A-nach-B-Kommen, sondern immer auch ein Lebensgefühl. Dieses Lebensgefühl wird auch über Werbung geprägt – nicht nur zur Kundengewinnung und im Konkurrenzkampf mit Auto und Flugzeug, sondern auch im Wettbewerb um Fachkräfte. Wir haben die Kontroverse zum Anlass genommen, 5 Bahn-Kampagnen auszuwählen, die uns zum Schmunzeln gebracht haben.

1. Alle reden vom Wetter

Schon in den 1960er Jahren ließ die Deutsche Bundesbahn große Kampagnen entwickeln, darunter den Klassiker „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Bis heute gilt die Kampagne als Meilenstein der deutschen Werbe- und Kommunikationsgeschichte. Der prägnante Slogan wurde und wird bis heute immer wieder in Parodien und Umdeutungen (68er-Bewegung, Wahlkämpfe, Werbung anderer Marken) aufgegriffen. Auch wenn der Slogan heute wohl nicht uneingeschränkt zutrifft – wir finden, diese Kampagne gehört auf jeden Fall in die „Hall of Fame“. Selten haben sechs Worte so pointiert auf die Vorteile der Schiene hingewiesen.

2. Zukunft, Hightech, ICE

1991 markierte die Einführung des ICE den Start des deutschen Hochgeschwindigkeitszeitalters und einen technischen Quantensprung. Gleichzeitig erneuerte die Bahn ihr Markenbild: Der ICE stand für ein neues, hochmodernes Selbstverständnis. Auch kommunikativ sollte diese Verwandlung transportiert werden. Exemplarisch zeigt dieser äußerst sehenswerte Clip mit futuristischen Sounds („Beep-Beep, Klick-Klick, Wrrr-Wuup“), wie der ICE damals als Symbol für Fortschritt inszeniert wurde: klinisch rein, elegant und schnell. Beep Beep.

3. Roboter mit Senf? Ist mir egal

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben mit „Weil wir dich lieben“ und dem Song Ist mir egal“ eine der bekanntesten Kampagnen im ÖPNV geschaffen. Statt Schwächen zu kaschieren, stellt die BVG sie offensiv aus: übervolle U-Bahnen‑, genervte Fahrgäste, Verspätungen. Alles wird konterkariert durch Humor und Selbstironie. Im über 20 Millionen-mal aufgerufenen Song „Ist mir egal“ ist sogar ein „Roboter mit Senf“ als Fahrgast willkommen, solange er ein Ticket hat. Diese Haltung traf einen Nerv: Man lacht gemeinsam über die Zumutungen des Alltagsverkehrs, statt von oben herab Imagepflege zu betreiben. Der Erfolg ging sogar so weit, dass Menschen einen Schuhladen stürmten, als es dort Adidas-Sneaker im BVG-Sitzmuster-Look zu kaufen gab – inklusive eingenähtem Jahresabo versteht sich.

4. Art-Deco-Plakate der SBB

Zu den bedeutendsten Beispielen der Schweizer Werbegrafik zählen bis heute die Art-Deco-Plakate der SBB aus den 1920er und 1930er Jahren. Die Plakate wurden von renommierten Künstlern und Grafikern gestaltet, darunter Emil Cardinaux, Otto Baumberger und Augusto Giacometti. Der Stil orientierte sich stark am Art-Deco-Design, das in dieser Zeit international populär war: klare geometrische Formen, kontrastreiche Farbflächen, elegante Linienführung und reduzierte Bildsprache. Ziel war es, die SBB als modernes, dynamisches Unternehmen zu präsentieren und gleichzeitig den Tourismus zu fördern. Die Art-Deco-Plakate der SBB zeigten demzufolge viele typisch schweizerische touristische Motive, wie Berge, Seen, Kurorte und den Wintersport. 

5. No Need to Fly

Die No Need to Fly“‑Kampagne der Deutschen Bahn aus dem Jahr 2019 hatte das Ziel, deutsche Reisende dazu zu bewegen, den kommenden Urlaub im Inland mit der Bahn statt mit dem Flugzeug zu verbringen – mit dem Zusatznutzen niedrigerer Kosten und geringerer CO₂‑Emissionen. Warum für 1.064 € nach Tokio fliegen, wenn man ein ähnliches Gewusel unter einem bunten Lichtermeer auch auf St. Pauli für 19 € erleben kann? Warum für 1072 € nach Vancouver fliegen, um dort über die Capilano Suspension Hängebrücke zu gehen, wenn man auch im Hunsrück über die Geierlay-Hängebrücke wandern kann? Augenzwinkern, großartige visuelle Umsetzung und Umweltfreundlichkeit in einer Kampagne vereint? Klar, dass wir das in unsere „Hall of fame“ aufnehmen!