4 von 348 – Das haben Unternehmen beim Tag der Schiene 2026 gezeigt

Tag der Schiene Fotocollage

Dieser Artikel erschien erstmals im bahn manager 05/2026.

Von Georg Kern

348 Veranstaltungen und mehr als 100.000 Besucher: Das ist die Bilanz des diesjährigen Tags der Schiene. Auf der Eröffnungsveranstaltung in Freilassing wurde deutlich, dass Sektor und Politik auch weiterhin stark hinter dem Event stehen, die Akteuren der Bahnbranche jährlich erhebliche Aufmerksamkeit beschert. Wollen auch Sie nächstes Jahr mit Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisation dabei sein und sind noch auf Ideensuche für das Programm? bahn manager hat vier diesjährige Teilnehmer gefragt, wie sie ihr Programm gestaltet haben. Vielleicht liefern Ihnen diese Antworten starke Ideen für Ihren Tag der Schiene.

Die Stadtkapelle spielte Blasmusik, kredenzt wurden unter anderem Weißwurst und Weißbier: Die diesjährige zentrale Eröffnungsveranstaltung des Tags der Schiene mit rund 200 Gästen im Eisenbahnmuseum Lokwelt im oberbayerischen Freilassing bot viel Regionaltypisches. Die Redner ließen den Blick dann allerdings zumeist bundesweit schweifen – schließlich sind die Aktionstage, die dieses Jahr vom 18. bis zum 20. September dauerten, auch ein deutschlandweites Event. Einig waren sich die Vortragenden dabei vor allem in diesem Punkt: Der Tag der Schiene ist eine Erfolgsgeschichte. Das Event habe sich zur „festen Institution“ im Jahreskalender der Bahnwelt entwickelt, sagte Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, das die jährliche Veranstaltung seit 2022 ausrichtet – wobei die Allianz pro Schiene (ApS) mit der Organisation betraut ist.

Ähnlich hatte es zuvor Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) formuliert, der schon im vergangenen Jahr für die zentrale Eröffnungsfeier zuständig war. Denn geknüpft ist diese Aufgabe stets an den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz – und die wechselt im Zweijahresturnus. Deshalb wird der Tag der Schiene 2027 und 2028 auch in Baden-Württemberg eröffnet werden.

Rund 160.000 Bewerbungen auf 5.200 Stellen

Schnorr vertrat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), der am Eröffnungstag in Freilassing nach Mannheim reiste, um dort gemeinsam mit Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, eine Gedenktafel zu enthüllen, die an Serkan Çağlar erinnert – der Zugbegleiter war im Februar bei einer Fahrkartenkontrolle von einem Passagier so attackiert worden, dass er später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Evelyn Palla wiederum ließ sich von Martin Seiler vertreten, Vorstand Personal und Recht bei der DB. Die Bahn in Deutschland erlebe eine „Renaissance“, sagte er. Auf die Stellen der 5.200 Nachwuchskräfte, die von der DB im September eingestellt wurden, habe es rund 160.000 Bewerbungen gegeben. Er bemerke „ein großes Interesse an der Bahn“, erläuterte Seiler. „Und die Tage der Schiene haben dazu beigetragen.“

Doch was konnten die Besucher auf den 348 Veranstaltungen bundesweit erleben? Viele Baustellenbesichtigungen, aber auch Führungen durch Stellwerke und Bahnhöfe waren dabei. Ob Konzerte im Lokschuppen oder Lesungen in der Straßenbahn: Die Akteure zeigten auch dieses Jahr wieder viel Kreativität. „Die Schiene ist eine Wachstumsbranche, sie ist innovativ und sie kann noch viel, viel mehr, wenn politisch die richtigen Weichen gestellt werden. Diese Botschaft haben wir am Tag der Schiene in die ganze Republik gesendet“, sagte ApS-Geschäftsführer Dirk Flege.

bahn manager hat vier Unternehmen gebeten, Fragen zu ihren Aktionen am Tag der Schiene zu beantworten. Warum beteiligen Sie sich? Was bieten Sie an? Und was bringt das? Falls Sie danach Lust haben, sich an den nächsten Aktionstagen zu beteiligen, die vom 17. bis zum 19. September 2027 geplant sind: Weitere Informationen dazu finden sich online unter tag-der-schiene.de.

Jörg Ernst, CEO von EUCO Rail: „Hunderte Besucher warfen einen Blick hinter unsere Werkstatt-Tore“

Der Dienstleister für die Instandhaltung, Wartung und Modernisierung von Schienenfahrzeugen bot dieses Jahr gleich an zwei Standorten Programm. Jörg Ernst, President & CEO des Unternehmens, spricht von einer „sehr guten Gelegenheit“, die Instandhaltung für Menschen erlebbar zu machen.

Herr Ernst, wie oft hat sich Ihr Unternehmen schon am Tag der Schiene beteiligt und was versprechen Sie sich davon?

2026 waren wir zum zweiten Mal in Folge dabei – dieses Jahr sogar an zwei Standorten gemeinsam mit Arverio: am 19. September in Essingen bei Aalen und am 20. September in Langweid am Lech. Für uns ist der Tag der Schiene eine sehr gute Gelegenheit, die Bahnbranche und insbesondere die Instandhaltung für Menschen erlebbar zu machen. Viele Fahrgäste sehen den Zug im täglichen Betrieb, aber nicht, was hinter den Kulissen notwendig ist, damit er sicher und zuverlässig unterwegs sein kann. Genau diesen Einblick möchten wir geben – und gleichzeitig zeigen, welche spannenden beruflichen Perspektiven unsere Branche bietet.

Was genau haben Sie gemacht anlässlich des Events und was kam bei den Besuchern besonders gut an?

Beim Arverio-Festival in Essingen konnten Besucher unter anderem die Wartungshallen und ausgestellte Fahrzeuge besichtigen. Dazu kamen ein Fahrsimulator sowie ein umfangreiches Familien- und Unterhaltungsprogramm.

Am folgenden Tag haben wir an unserem Standort in Langweid die Werkstatt-Tore geöffnet. Bei regelmäßigen Führungen konnten die Besucher unsere Werkstatt und die Fahrzeuge aus nächster Nähe erleben und direkt mit unseren Mitarbeitenden ins Gespräch kommen. Mehrere 100 Besucher haben wir in Langweid durch unsere Hallen geführt. Besonders gut kamen die unmittelbaren Einblicke in die Schienenfahrzeuginstandhaltung und der persönliche Austausch mit unserem Team an. Ergänzt wurde das Programm durch Angebote für Familien und einen Recruiting- und Karrierestand.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, absolut. An beiden Standorten war unser Ziel, Menschen für die Schiene zu begeistern und sichtbar zu machen, wie viel Know-how und tägliche Arbeit hinter einem fahrenden Zug steckt. Das große Interesse, die vielen Fragen und Gespräche sowie die mehreren 100 Besucher in Langweid haben gezeigt, dass der Blick hinter die Werkstatt-Tore sehr gut angenommen wurde. Gleichzeitig konnten wir EUCO Rail als Arbeitgeber und die vielfältigen Berufsmöglichkeiten in der Instandhaltung präsentieren. Der Tag der Schiene war für uns deshalb eine sehr gute Gelegenheit, unsere Branche näher an die Menschen zu bringen.

Sarah Haase, Geschäftsführerin der Haase Akademie: „Publikumsmagnet war wieder unser Eisenbahnsimulator“

Das Unternehmen ist Spezialist für die Ausbildung und Weiterbildung von Lokführern. Geschäftsführerin Sarah Haase sagt, dass sie den Tag der Schiene auch nutzt, um Teilnehmer zu gewinnen:

Frau Haase, wie oft hat sich Ihr Unternehmen schon am Tag der Schiene beteiligt und was versprechen Sie sich davon?

Wir haben uns dieses Jahr bereits zum dritten Mal am Tag der Schiene beteiligt. Für uns ist die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, die Eisenbahnbranche erlebbar zu machen und interessierten Menschen einen authentischen Einblick in unsere Arbeit zu geben. Als Ausbildungs- und Weiterbildungsunternehmen für Bahnpersonal sind wir kontinuierlich auf der Suche nach zukünftigen Fachkräften. Deshalb nutzen wir den Tag der Schiene insbesondere, um potenzielle Teilnehmende für die Lokführerausbildung kennenzulernen. Gleichzeitig möchten wir zeigen, welche beruflichen Perspektiven die Bahnbranche bietet und wie die Ausbildung in der Praxis aussieht.

Was genau haben Sie dieses Jahr gemacht anlässlich des Events und was kam bei den Besuchern besonders gut an?

Wir haben an unserer Akademie in Regensburg einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Eingeladen waren Mitarbeitende mit ihren Familien und Freunden, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner sowie Menschen, die sich für eine Ausbildung zur Lokführerin oder zum Lokführer interessieren. Die Besuchenden konnten unsere Schulungsräume besichtigen, sich über die Ausbildung informieren und unsere technische Ausstattung kennenlernen. Publikumsmagnet war wieder unser Eisenbahnsimulator mit Smartron-Fahrpult. Besonders gut kam auch die Möglichkeit an, sich in einzelnen Schulungsräumen konkreter über die Ausbildung zu informieren, einen Blick hinter die Kulissen unserer Ausbildungsarbeit zu werfen und dabei direkt mit unseren Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Viele Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich umfassend über den Berufsweg und die Einstiegsmöglichkeiten in die Bahnbranche zu informieren.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, sogar übertroffen. Wir konnten deutlich mehr Besucherinnen und Besucher begrüßen als in den Vorjahren. Das zeigt uns, dass das Interesse an Berufen im Sektor weiterhin groß ist. Besonders positiv war die hohe Zahl an Menschen, die sich für eine Ausbildung zur Lokführerin oder zum Lokführer interessiert haben. Bereits in der Woche nach der Veranstaltung erhielten wir erste Bewerbungen sowohl für die Ausbildung als auch für offene Positionen in unserer Akademie. Damit hat der Tag der Schiene genau das erreicht, was wir uns erhofft hatten: Menschen für die Bahn zu begeistern und neue Fachkräfte für unsere Branche zu gewinnen.

Tobias Harms, CEO bei der SWEG: „Aufmerksamkeit für die Karrierechancen in unserem Unternehmen schaffen“

Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH (SWEG) ist seit dem ersten Tag der Schiene konsequent dabei. Für Tobias Harms, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung, ist die Aktion eine gute Gelegenheit, um auf Karrierechancen im Unternehmen aufmerksam zu machen.

Herr Harms, wie oft hat sich Ihr Unternehmen schon am Tag der Schiene beteiligt und was versprechen Sie sich davon?

Die SWEG hat sich von Anfang an am Tag der Schiene beteiligt und ist seitdem jährlich – mit den unterschiedlichsten Aktionen – dabei gewesen. Aus unserer Sicht ist dieser Tag eine gute Gelegenheit, sich als Bahnbranche einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und auch Aufmerksamkeit für die Karrierechancen in unserem Unternehmen zu schaffen.

Was genau haben Sie dieses Jahr gemacht anlässlich des Events und was kam bei den Besuchern besonders gut an?

Wir haben am Samstag, 19. September 2026, gemeinsam mit dem Partner „bwegt“ zu einem Werkstattfest eingeladen, das auf dem Gelände der SWEG-Bahnbetriebswerkstatt in Offenburg – einem der modernsten Servicecenter für Schienenfahrzeuge in Süddeutschland – stattfand. Angeboten wurden Führungen durch Werkstatt und Leitstelle sowie Vorführungen an der Unterflurdrehbank.

Im Rahmen einer Fahrzeugschau konnten verschiedene Typen von Schienenfahrzeugen und deren offene Führerstände besichtigt werden. Des Weiteren gab es Informationen zu Karriere- und Ausbildungsmöglichkeiten bei der SWEG.

Zum Rahmenprogramm gehörte ein kulinarisches Angebot sowie Kinderattraktionen wie Kindereisenbahn und Hüpfburg. Für die Besucher war außerdem ein kostenloser Shuttlebus-Service zwischen dem Bahnhof Offenburg und dem etwas abseits gelegenen Veranstaltungsgelände eingerichtet. Bei den Besuchern kamen die Führungen durch die Bahnbetriebswerkstatt am besten an.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt und wenn ja, welche?

Ja, unsere Erwartungen wurden erfüllt. Die Resonanz war sehr gut, und die Besucher zeigten sich durchweg interessiert.

Sven Rybarczyk, Chef von Willke Logistics: „Wir wollen vor allem unsere Sichtbarkeit in der Region erhöhen“

Das Bauunternehmen Willke ist ein führender Anbieter im Bereich Gleisbau und Bahninfrastruktur. Sven Rybarczyk, Geschäftsführer von Willke Logistics und gleichzeitig Verantwortlicher des Tags der Schiene bei Willke, will unter anderem Quereinsteiger als Fachkräfte gewinnen.

Herr Rybarczyk, wie oft hat sich Ihr Unternehmen schon am Tag der Schiene beteiligt und was versprechen Sie sich davon?

Dieses Jahr waren wir zum ersten Mal dabei. Für uns war das eine gute Gelegenheit, unseren Standort in Ludwigslust für die Öffentlichkeit zu öffnen und zu zeigen, was wir als 360°-Anbieter für Bahninfrastruktur leisten und wie breit unser Leistungsspektrum aufgestellt ist. Wir wollten vor allem unsere Sichtbarkeit in der Region erhöhen, mit Menschen persönlich ins Gespräch kommen und zeigen, wie vielfältig die Arbeitswelt im Gleisbau ist. Und natürlich wollten wir auch zeigen, dass Willke als Arbeitgeber in der Region präsent ist – gerade mit Blick auf Ausbildung, Quereinstieg und neue Fachkräfte.

Was genau haben Sie dieses Jahr gemacht und was kam bei den Besuchern besonders gut an?

Lokomotiven und Gleisbaumaschinen gab es aus nächster Nähe zu entdecken. Besonders gefragt waren unsere Zugkraft-Dame „Ella“ – die Vossloh DE18 – und der Lok-Simulator. An Stationen rund um Schweißtechnik, Schotterpflug und Stopfmaschine konnten sich die Besucher informieren und mit unseren Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen.

Das kam sehr gut an. Vor allem die Technik hat die Leute angezogen, aber ich glaube, entscheidend war, dass man nicht einfach nur davorstand und sich etwas anschauen konnte. Man durfte anfassen, ausprobieren und Fragen stellen. Das hat den Tag für viele wahrscheinlich so interessant gemacht.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall. Wir wussten vorher ehrlich gesagt nicht, wie viele Menschen tatsächlich kommen würden. Dass sich das Gelände schon am Vormittag so gefüllt hat und am Ende mehrere hundert Besucher da waren, hat uns deshalb besonders gefreut.

Noch wichtiger als die reine Besucherzahl waren für uns aber die Gespräche. Wir haben viele unterschiedliche Menschen erreicht und gemerkt, dass echtes Interesse da ist – an der Eisenbahn, an unserer Arbeit rund um die Schiene und auch an den Möglichkeiten, bei Willke einzusteigen.

Für unsere erste Teilnahme war das eine sehr gute Erfahrung. Wir haben gezeigt, was hier in Ludwigslust passiert, und gleichzeitig viele Menschen aus der Region erreicht. Genau das hatten wir uns vom Tag der Schiene erhofft.