5 x Bahnen in Deutschland, die glücklich machen

Fünf besondere Züge in Deutschland.

Deutschland hat rund 39.000 Kilometer Schienennetz. Auf den meisten Strecken rollen vertraute Züge. Aber es gibt auch Bahnen, die aus der Reihe tanzen und überraschen. Eine Zahnradbahn, die sich auf Deutschlands höchsten Gipfel kämpft. Ein Original, das an die goldene Ära des Bahnreisens erinnert. Ein DDR-Schnellzug, der gerade aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht. Eine offene U-Bahn, die nachts durch Berlins Tunnel rauscht. Und eine Standseilbahn, die seit über hundert Jahren stur einen Thüringer Berg hoch- und runterfährt. Hier geht es zu fünf Zügen, die sie nicht verpassen sollten.

Der steile Klassiker: Zugspitzbahn

© Bayerische Zugspitzbahn/ fendstudios.com

Über 95 Jahre alt und trotzdem überwindet sie beharrlich knapp 1.800 Höhenmeter. Mit rund 600.000 Fahrgästen pro Jahr verkörpert die Zugspitzbahn absolute Superlative und ist ein technisches Meisterwerk. Von Garmisch-Partenkirchen aus rollt sie, fast wie eine normale Regionalbahn, gemütlich durchs Tal, vorbei an schönsten Alpenlandschaften. Doch ab dem malerischen Eibsee ändert sich alles. Die Strecke wird steil, richtig steil. Die Bahn schiebt sich erst oberirdisch, dann durch Tunnel den Berg hinauf, kämpft sich Meter für Meter nach oben. Der Clou? Zahnräder! Oben angekommen steht man staunend zwischen Skifahrern im Winter, Wanderern im Sommer und Touristen aus aller Welt. Die Zugspitze ist sicher kein Geheimtipp, war sie nie. Aber das atemberaubende Alpenpanorama ist immer eine Reise wert. Wer die Faszination dieser Strecke vom Sofa aus erleben möchte, kann in der SWR-Mediathek Folge 633 XL der Eisenbahn-Romantik schauen.

Der Rheingold: Trans-Europ-Express

© Gerhard Meven

Rendezvous auf den Champs-Élysées. Verlass Paris am Morgen mit dem TEE. Mit einem Song über den Trans-Europa-Express huldigte die Band Kraftwerk schon 1977 dem legendären TEE. Heute ist dieses Szenario leider so nicht mehr möglich, aber ganz verschwunden ist der elegante TEE nicht. In Deutschland lebt ein besonderes Modell weiter: Der Rheingold in klassischer purpurroter und beiger TEE-Lackierung. Mit seiner stilvollen Inneneinrichtung und dem originalen Speisewagen erinnert der Zug an die große Zeit des Bahnreisens. Statt Geschäftsleuten auf Europareise sitzen heute Ausflügler und Eisenbahnfans an Bord. Dabei wird der Rheingold nicht nur für Spazierfahrten entlang des Rheins genutzt, sondern auch für Mehrtagesfahrten quer durch Europa, nur bedauerlicherweise noch nicht nach Paris. Mehr zum Rheingold in der Eisenbahn-Romantik-Folge Nr. 684.

SVT Görlitz

© SVT Görlitz gGmbH – Jessica Neumann

Auch die DDR nutzte die Eisenbahn, um technisches Können und Leistungsfähigkeit zu zeigen. Das Ergebnis: der Schnellverkehrstriebwagen (SVT), gebaut im VEB Waggonbau Görlitz. Ein eleganter 1800-PS-Dieseltriebzug mit 160 km/h Spitzengeschwindigkeit für den internationalen Reiseverkehr der Deutschen Reichsbahn nach Wien, Skandinavien und in die damalige Tschechoslowakei. Seit 2019 arbeiten fleißige Ehrenamtliche in Halberstadt unter dem Projektnamen „Ein Zug für Mitteldeutschland“ daran, einen SVT wieder fahrtüchtig zu machen. Derzeit absolviert der historische Triebzug verschiedene Test- und Schulungsfahrten rund um Halberstadt und im Harzvorland, sodass der SVT spätestens ab der zweiten Jahreshälfte wieder auf Sonderfahrten unterwegs sein wird.

Das Cabrio der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

© BVG/Heinrich

Oben ohne durch Berlin Underground? Klingt berauschend – ist es auch! Mit dem BVG-Cabrio rauschen Sie durch die Berliner Nacht. Mit einem offenen Plattformwagen sausen Sie mit 35 km/h über die Gleise und lassen sich den Fahrtwind um den Kopf wehen. Begleitet wird die Fahrt dabei durch eine Moderation, die mit spannenden Geschichten und Hintergründen zum Berliner U-Bahnverkehr zu unterhalten weiß. Der normale U-Bahn-Betrieb läuft derweil weiter. An den Haltestellen dürfen Sie im Vorbeifahren auf die irritierten „normalen“ Fahrgäste schauen. Auch am Tag der Schiene sind Sonderfahrten geplant. Es lohnt sich, unserem Instagram-Kanal zu folgen, denn dort könnte sich demnächst eine kleine Cabrio-Überraschung anbahnen. Und wer am Tag der Schiene keine Zeit hat: Reguläre Termine gibt es auch an ausgewählten Freitagen zwischen April und Oktober.

Standseilbahn Oberweißbach

© Paul Hentschel Photography

Die Orte auf der Hochebene über dem Schwarzatal hatten es trotz wunderschöner Landschaft nicht leicht. Gerade in den schneereichen Wintern war der Transport von Menschen und Gütern ein Problem. Dann kam man im Jahre 1919 auf die Idee, eine Standseilbahn vom Tal auf die Höhe zu bauen und eine Anbindung an die Schwarzatalbahn herzustellen. Seit 1923 fährt diese nun von Obstfelderschmiede hoch nach Lichtenhain: 1,4 Kilometer, 323 Höhenmeter, 25 Prozent Steigung. Oben in Lichtenhain geht es weiter. Auf einer elektrifizierten Flachstrecke fahren historische und einmalige Elektrotriebwagen der Baureihe ET 479 über die idyllische Hochebene. 2015 wurden Berg- und Talstation der Standseilbahn als Bahnhof des Jahres ausgezeichnet. Im Sommer gibt es auch einen offenen Cabrio-Wagen. Wer durch den Thüringer Wald nach oben schwebt, versteht spätestens dann, warum sich der Bau gelohnt hat. Zu sehen gab es die Bergbahn übrigens auch in Eisenbahn-Romantik-Folge Nr. 542.